Dieser Wein begann nicht als Projekt. Er begann als Zufall.
In einem Garten wuchs eine Rebe über einer alten Sitzecke. Unbekannte Trauben, klein, kernreich, nicht besonders süß. Zu viele Früchte, zu viel Grün, zu wenig Struktur – zumindest auf den ersten Blick.
Es war kein professioneller Weinberg. Und es war kein professioneller Plan.
Die Rebe gehörte meinem Großvater. Ein Handwerker. Tischler. Praktiker.
Ein Mann, der Dinge nicht erklärte – sondern machen ließ.
Als wir das erste Mal versuchten, aus diesen Trauben Wein zu machen, scheiterten wir. Die Gärung lief falsch, der Zucker passte nicht, Weinkrankheiten traten auf. Wir hatten Hoffnung – aber keine Erfahrung.
Sein Rat war einfach: „Lasst die Trauben einfach stehen.“
Heute wissen wir, dass er weit mehr wusste, als er sagte.
Über die nächsten zwei Jahre probierten wir weiter. Andere Trauben. Andere Früchte. Jeder Versuch besser als der vorherige. Wir lernten über Zucker, Hefe, Säure, Temperatur, Geduld. Wir verstanden, dass Wein kein Rezept ist – sondern ein System.
Kurz darauf verstarb der Großvater. Das Grundstück wurde verkauft. Und wir wussten: Es würde nur noch eine einzige Möglichkeit geben, noch einmal genau diese Trauben zu verarbeiten.
Mit allem, was wir inzwischen gelernt hatten, wagten wir einen letzten Versuch. Der Versuch, aus genau jener Rebe einen ehrlichen Wein zu machen.
Beim Ausräumen des Hauses entdeckten wir altes, professionelles Equipment. Hochwertige Zutaten. Werkzeuge, die zeigten: Er wusste sehr genau, was er tat.
Vielleicht war es nie seine Absicht, uns alles zu erklären. Vielleicht wollte er, dass wir selbst erfahren, warum Wein nicht einfach entsteht.
Dieser Wein ist das Ergebnis dieses Weges: Unbekannte Trauben. Zwei Lernende. Ein stiller Lehrer.
Halbtrocken. Fruchtig. Unperfekt im Ursprung – aber ehrlich im Ergebnis. Unser bislang bester Weißwein.